Martin Huber: Der Text als Bühne. Theatrales Erzählen um 1800. Göttingen 2003.

Wie werden Gefühle zu Literatur? Warum vergessen wir uns beim Lesen und finden uns zugleich in der Lektüre wieder? Den Zusammenhang zwischen Literatur, Emotion und Bewusstsein entdeckt Martin Huber in der Literatur um 1800 an einem ›theatralen‹ Erzählprinzip, das durch szenische Bündelung und die gleichzeitige Darstellung von Beobachtungsvorgängen und Körperwahrnehmungen gekennzeichnet ist. Die Bedeutung dieses Erzählprinzips liegt neben der hohen Reflexivität in seiner emotionalen Wirkung: der suggestiven Vermittlung von Individualität als Körpergefühl und Selbstbewusstsein. Theatrales Erzählen ist die erzähltechnische Entsprechung zur literarischen Entdeckung der Individualität im 18. Jahrhundert. »Der Text als Bühne« verbindet kulturelle Körperbilder und historische Bewusstseinsdebatten mit Modellen der aktuellen Kognitionswissenschaften zum Verhältnis von Selbstbild und Realität. Dabei entsteht ein neuer Gesprächszusammenhang zwischen Natur- und Geisteswissenschaften, in dem die biologische wie die literarische Anthropologie gleichermaßen Teilnehmer am kulturellen Diskurs der Konstruktion unseres Selbst sind.

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Cover_Igl-2014

Natalia Igl: Geschlechtersemantik 1800/1900. Zur literarischen Diskursivierung der Geschlechterkrise im Naturalismus. Göttingen 2014.

Ausgehend von den literatur- und diskursgeschichtlichen Schwellenräumen um 1800 und 1900 untersucht Natalia Igl den historisch-semantischen Wandel des komplementären Geschlechtermodells und dessen Krise. Anders als die bisherige Forschung legt sie dabei den Fokus auf den Naturalismus als Initialphase der literarischen Diskursivierung der »modernen« Geschlechterproblematik. Einen Kern der Textanalysen bilden die wenig erforschten naturalistischen und naturalismusnahen Dramen von Elsa Bernstein (1866-1949). Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass dem Naturalismus sowohl mit Blick auf die Geschlechterkrise um 1900 wie auch auf den umfassenderen Diskurs der literarischen Anthropologie eine deutlich relevantere Stellung einzuräumen ist, als das bislang getan wurde.

The study analyses the development and change of gender semantics during the 'long 19th century', based on the premiss of the constitutive role of literature as a medium where socio-historical concepts are formed and reflected upon. In contrast to previous research, the focus thereby lies not on literature of the Fin de Siècle but on the German Naturalism: As Natalia Igl shows by detailed analysis, the era of Naturalism can be regarded as an initial phase where the perceived crisis of traditional 'complementary' gender roles is being addressed in literary as well as in poetological discourse in a significant way. A core piece of the analysed texts consists of dramas of the non-canonical author Elsa Bernstein (1866-1949). Due to the close linkage of naturalist aesthetics and the issue of conflicting gender roles that characterises Bernsteins texts, their interpretation thus provides a 'burning glass' which helps to shed light on the significance of changing gender semantics regarding the discourse of Naturalism as a whole. All in all, the study emphasises the relevance of the naturalist era as a liminal but not marginal epoch of literary modernims which plays a crucial role with respect to 19th century literary anthropology.

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Dissertation_Mayer_Tropen 001

 

Michael Mayer: Tropen gibt es nicht. Dekonstruktionen des Exotismus. Bielefeld 2010
Das Phänomen des Exotismus, die Zuwendung zu europafernen Kulturen, findet in der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Höhepunkt. Allerdings unterscheiden sich diese exotistischen Texte von Gauguin, Kipling Hermann von Keyserling, Dauthendey oder auch von Hans Paasche deutlich von ihren Vorgängern. So stellt diese Studie heraus, dass die Texte den Exotismus und seine tradierten eurozentristischen Wahrnehmungsmuster stets selbst reflektieren und dekonstruieren.

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